3950 als solche identifizierte Ahnen sind nicht 3950 verschiedene Individuen, unmöglich. Wäre jeder meiner Ahnen (von denen der anderen zu schweigen) ein distinktes Individuum, hätten (reine Mathematik, rd. 30 Generationen, Zweierpotenz) um das Jahr 1000 n.Chr. mindestens eine Billion (eintausend Milliarden) Menschen leben müssen – dabei lebten damals in ganz Europa geschätzt nur rund 40 Millionen
Nein, natürlich haben (jenseits der durch kirchliche und staatliche Verbote geschützten engsten Verwandtschaftsgrade) immer schon Menschen geheiratet, die über entfernte Vorfahren miteinander verwandt waren, und das führt zu Ahnendoppeln (auch schon etwas missverständlich als "Ahnenschwund" bezeichnet). Der Adel soll von solcher "Inzucht" besonders stark betroffen sein, so liest man allenthalben. Das ist eine unbewiesene und letztlich unplausible Vermutung. Denn erstens ist die Genealogie eigentlich nur für die adligen Individuen umfassend erforscht, aus den erwähnten politischen Gründen, also weiß man es bei den anderen einfach nicht. Und zweitens weiß man, dass im bäuerlichen Milieu Mitteleuropas, aus dem die allermeisten gegenwärtigen Menschen stammen, eine Heirat über das eigene Dorf hinaus die ganz große Ausnahme war, und damit die Auswahl an potentiellen Heiratspartnern zahlenmäßig viel niedriger als beim europäischen Adel, der sich insgesamt gegenseitig als "ebenbürtig" und damit heiratsfähig ansah.
Diese lange Vorrede, damit sich der Schock in Grenzen hält: Die 3950 identifizierten Ahnen (unter den 4095 mathematisch notwendigen) bestehen aus nur 2686 distinkten Individuen, von denen einige mehr, andere weniger Spuren in meinem Genom hinterlassen haben müssten. Rekordhalter unter diesen Generationen sind Ursula, Freiin von Fleckenstein zu Dagstuhl, geboren 1553, und Friedrich, Wild- und Rheingraf zum Stein, geboren 1547, beide 20 bzw. 19 mal Ahn(in).